Zwischen Antragsdschungel und Entlassungen – finanzielle Not der Betriebe

NÜRNBERG. Bereits seit letztem Jahr stellt die Regierung wirtschaftliche Hilfsprogramme für Unternehmen zur Verfügung. Dabei spielt gerade der zeitliche Aspekt die entscheidende Rolle, ob ein Unternehmen überleben kann oder nicht. Doch wie im kollegialen Austausch der Arbeitsseelsorger*innen des kda Bayern deutlich wurde, kommen die staatlichen Finanzhilfen nicht immer dort an, wo sie nötig sind bzw. wann sie gebraucht werden.

Auszahlung der Hilfen als Herausforderung

Viele Unternehmen warten aktuell noch immer auf die Auszahlung der sogenannten „November- und Dezemberhilfen“. Doch eine eigene staatliche Bewilligungsstelle hierfür existiert nicht. Deshalb wurde diese Aufgabe in Bayern an die IHK für München und Oberbayern übertragen. Dort müssen erst die personellen Kapazitäten aufgebaut werden, was unweigerlich zu längeren Bearbeitungszeiträumen führt. Für die Betriebe kann das existenzgefährdend sein.

Gefangen im Antragsdschungel

Hinzu kommen rechtliche Schwierigkeiten. „Teilweise kollidierten die Auszahlungen der Corona-Hilfen mit EU-Recht und mussten entsprechend geändert werden,“ erinnert Klaus Hubert vom Arbeitsbereich der Aktionsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen. Doch dadurch seien viele Anträge, die vor der Korrektur gestellt wurden, obsolet geworden bzw. mussten erneut eingereicht werden.
Hinzu kommt, dass zuerst nur Steuerberater*innen die staatlichen Hilfen offiziell beantragen durften. Da diese aber schnell an ihre Kapazitätsgrenze kamen, wurden weitere Berufsgruppen wie Rechtsanwälte oder Wirtschaftsprüfer vom Staat bevollmächtigt. Das führte teils zu weiteren Verzögerungen für die betroffenen Unternehmen.

Rettungsversuche durch Kredite und Entlassungen

„Viele Betriebe müssen jetzt wegen der zeitlichen Verzögerungen Kredite aufnehmen. Mit den Personalkosten kommt ein Hotel schnell mal auf eine Million Euro an Verpflichtungen pro Monat,“ erklärt Thomas Ruthenberg vom Kirchlichen Dienst im Gastgewerbe des kda. Doch diese Kredite werden wiederum von den Novemberhilfen abgezogen. „Viele Hotels stehen mit dem Rücken zur Wand,“ so Ruthenberg. Dabei wollen gerade sie ihre Mitarbeitenden behalten. Denn wenn die Touristen in die Hotels zurückkehren können, würde ihnen ohne Personal die nächste Krise bevorstehen.
In der Industrie sieht es ein wenig anders aus. „Ich weiß, dass einige Firmen im Moment gerade älteren Mitarbeitenden Abfindungen anbieten und so versuchen, Personal abzubauen,“ sagt Ute Meier vom kda in Regensburg. Doch was die Unternehmen entlastet, könnte sich für den Einzelnen/die Einzelne finanziell als Nachteil erweisen. Sie empfiehlt deshalb immer, sich individuell bei der Rentenversicherung beraten zu lassen, bevor man etwas unterschreibt.

(Foto: Kevin Schneider/ pixabay.com)

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