Das Gegenteil von Home-Office – ein Sommerinterview zur Walz

RANNAHOF BEI ENSDORF. Das Gegenteil von Home-Office ist nicht unbedingt die Arbeit im Büro. Der Werkzeugmechaniker und Zimmerer Christoph Rester aus der Oberpfalz macht sich mit 24 Jahren auf die Walz. Der kda-Handwerksbeauftragte Roland Hacker hat ihn beim Abschiedsritual getroffen und mit ihm über seine Wanderschaft gesprochen.

kda Bayern: Was ist eigentlich die Walz?

Christoph Rester: Ja das ist Tradition. Die gibt´s ja schon seit bald 1000 Jahren. Wir sind halt unterwegs, dürfen nicht näher als 50 km an zuhause ran und haben auch kein Handy dabei. Das kommt von damals. Wir reisen auch ohne Plastik. Der Brauch ist so alt. Damals hat es auch kein Plastik gegeben. Wir haben unserer Kluft an: Die setzt sich zusammen aus Schlaghose und Weste und Jackett. Und der Hut muss drauf. Der Hut ist das Zeichen des freien Mannes. Wir reisen frei. Wir sind ja frei in der Zeit. Der Stelz, der Stock, den habe ich jetzt noch nicht. Den finden wir, wenn wir unterwegs sind.

Du gehst nicht alleine los?

Nein, man darf schon – aber nicht am Anfang. Du kannst nicht einfach losgehen und sagen „Ich bin auf der Walz“. Du musst einen finden, der dich losbringt. Da ist bei mir der Klaus. Der ist Koch und ist schon zweieinhalb Jahren unterwegs. Der dürfte bald wieder heim gehen eigentlich.

Man sucht sich jemanden für den ersten Abschnitt, der schon auf der Walz ist?

Genau. Der ist ja dann nicht nur die erste Zeit bei mir. Zwei Monate sind er und ich unterwegs. Die anderen, die heute da sind, gehen auch erst mal mit. Wir gehen zusammen aus der Bannmeile raus und dann löst sich das auf. Dann bin ich mit dem Klaus unterwegs. Nach den zwei Monaten wirst du auf dein Versprechen festgenagelt. Da krieg ich einen Nagel ins Ohrwaschel rein genagelt. Wir unterschreiben nichts. Du versprichst das von dir aus, weil du das willst. Das macht der Klaus. Der hat schon alles dabei. Den Nagel und einen Ohrring. Dass du dich an dein Versprechen erinnerst. Dass du nichts machst, was nicht ehrbar ist – wir sollen ja immer ehrbar sein. Du sollst dich gescheit aufführen, nix anstellen halt.

Wie lange dauert das Ganze?

Drei Jahre und einen Tag mindestens. Überziehen kann man locker. Die Familie kann dich besuchen aber ich kann sie nicht besuchen. Man kann auch mal, wenn man ein Handy oder ein Telefon kriegt, daheim anrufen. Ich habe mir ja alle Nummern aufgeschrieben. Aber ein eigenes Handy darf man nicht benutzen. Ob ich danach wieder zurück komme und hier bleibe ist vollkommen offen. Aber man muss noch einmal zurückkommen. Du musst noch einmal über´s Ortsschild drüber. Quasi dasselbe noch mal zurück. Und dann ist die Walz vorbei. Das soll ja kein dauerhafter Zustand sein.

Wie kamst du auf die Idee?

Das mit der Walz hab ich, seit ich denken kann im Kopf, ich glaube schon als kleines Kind. Ich habe das irgendwo mal aufgeschnappt – schon vor der Schulzeit. Ich weiß nicht mehr wo.

Was erhoffst du dir?

Christoph: Ich habe schon meine Ziele. Ich würde gerne nach Schweden. Da habe ich jetzt auch zufällig schon einen Kontakt. Ich würde da gerne mal eine Met-Halle bauen. Wie damals die Wikinger. So ein umgedrehtes Boot quasi. Wo die Wikinger früher gefeiert haben. Schiffsbau interessiert mich wahnsinnig. Holzbootsbau. Schmieden würde ich auch gerne. Das würde ich auch noch gerne mitnehmen.

Herzlichen Dank für das Interview!

Titelbild: Christoph (li.) muss nicht alleine losgehen; Klaus (re.) wird ihn bei seinem Start auf der Walz die ersten zwei Monate belgeiten. (Foto: kda Bayern)

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