Franziska ist…zurück aus der Rente

Ich möchte vielseitig bleiben, auch im Alter“, sagt Franziska* (66). Seit einem Jahr ist sie in Rente und ehrenamtlich viel unterwegs. Montags allerdings steht weiter Erwerbsarbeit auf dem Programm. Neun Stunden ist sie in ihrem alten Büro bei der Stadt tätig. „Schöne Woche noch“, sagen die Kolleg*innen, wenn sie geht. „Ich habe immer gedacht, dass ich das mache“, sagt Franziska. Nur zuhause – das ist für sie nicht denkbar. Wenn sie nicht Geschichten für den Gemeindebrief schreibt oder die Tagesordnung für den Kirchenvorstand zusammenstellt, ist sie in ihrem Schrebergarten zugange.

Ein Leben ohne Erwerbsarbeit hätte sie sich nicht vorstellen können. Ihre Berufsbiographie ist bunt und vielfältig. Gelernt hat Franziska Schriftsetzerin bei einer Zeitung. Nach Heirat und mit Kindern war sie nebenher im Verkauf tätig. Ab 1991 arbeitete sie als Politesse und später als Verwaltungsangestellte bei der Stadt. Ihre letzten zehn Berufsjahre ist sie freigestellte Personalrätin und Schwerbehinderten-Beauftragte. Unter dem Strich kommen so 45 Jahre Erwerbsarbeit zusammen. „Ich habe immer Chancen wahrgenommen. Mich hat einfach vieles interessiert“, so charakterisiert Franziska ihren Berufsweg.

„Ich kann ausschleichen“

Als Vorteil beim Arbeiten in Rente sieht sie, „dass es nicht so abrupt ist mit dem Aufhören. Ich kann ausschleichen.“ Außerdem bleibe sie bei der Technik auf dem Laufenden. Die Arbeit in der kleinen Abteilung kennt sie genau. „Ich gehe da rein und habe meine Strukturen und alles auf dem Schirm. Es fällt mir nicht schwer“, beschreibt Franziska. „Und wenn ich etwas nicht kann, dann frage ich halt. Ich muss ja nicht alles können. Mir hilft immer jemand weiter.“ So genießt sie die Zusammenarbeit mit den Kolleg*innen, die ihr auch in Krisen schon geholfen haben. „Die Kollegin, für die ich einspringe, ist auch froh. Dann hat sie den Montag frei“, freut sich Franziska. Über einen Tag hinaus möchte sie allerdings nicht noch allzu viele feste Verpflichtungen haben. Der eine Tag sozialversicherungspflichtige Arbeit reicht ihr. “Im Alter ist mir meine Freizeit auch wichtig“, meint sie. Für Franziska ist ihr Verdienst aus der Arbeit im Büro „ein Zubrot zur Rente“, wie sie es nennt. Für Luxus, den sie sich leisten möchte, wie etwa Urlaubsreisen. Sie zahlt zwar keine Miete, hat aber Fixkosten und legt „immer etwas für Reparaturen am Haus zurück“. Weil sie mehr als 1.200 Euro Rente bekommt, muss sie einen Teil versteuern. Darüber ärgert sie sich.

„Es tut mir in der Seele gut“

Als Frühaufsteherin ist es für sie kein Problem, wenn an einem Tag in der Woche der Wecker morgens klingelt. Bis heute ist ihr bei der Arbeit wichtig, dass sie immer selber entscheiden kann. Freiheit und Eigenständigkeit bei ihren Aufgaben hat sie auch zumeist bekommen. „Ich hatte auch nicht so Diktatoren als Chefs“, ist ihr Kommentar dazu. Insbesondere die Aufgabe als Personalrätin fand sie abwechslungsreich und spannend. Um gute Lösungen für Menschen und ihre Probleme zu finden, hat sie auch eine Ausbildung in systemischer Beratung gemacht. Die Erfahrungen aus der Arbeit mit Menschen helfen ihr noch heute bei ihrer Arbeit und auch im Ehrenamt. „Die Mitarbeitenden sind gerne zu mir gekommen“, erinnert sich Franziska. Auch kommen ihr so manche Erfolgserlebnisse ins Gedächtnis: „Da konnte ich zum Beispiel mithelfen, Langzeiterkrankte wieder in Arbeit zu bringen.“ Dass sie noch erwerbstätig ist, bewertet sie insgesamt positiv. „Es tut mir in der Seele gut.“ Nur darf es unter der Woche nicht noch viel zusätzlich sein. Als Kirchenvorständin ist sie gefordert und auch der Schrebergarten soll nicht zu kurz kommen. Gerade schreibt sie an einem Lebens-Tagebuch für ihre Familie und alle zwei Wochen stehen Spaziergänge oder Ausflüge mit einem anderen Rentner an. Den Austausch findet sie kurzweilig. „Die Gespräche tun mir gut und bei den Ausflügen gibt es viel zu entdecken.“ Kontakte haben und nicht zuhause versauern – das ist dabei ihr Credo.

*Name von der Redaktion geändert / Bild kein Originalfoto

Hanna Kaltenhäuser, sozialwissenschaftliche Referentin kda Bayern

Bild: Monkey Business Images via Canva

Kirche, Rente, Alter

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