Gleichstellung braucht Strukturen

NÜRBERG/ BERLIN. Der kda Bayern unterstützt gemeinsam mit rund 85 zivilgesellschaftlichen Organisationen und 50 Privatpersonen als Erstunterzeichner den Aufruf des Deutschen Frauenrat (DF) und von Gender Mainstreaming Experts International (GMEI) zur Gründung einer Gleichstellungsstiftung. Wir fordern von den Mitgliedern des Deutschen Bundestages, das im Koalitionsvertrag festgehaltene Vorhaben noch 2020 auf den Weg zu bringen. Die Koalitionsfraktionen haben sich bereits auf die Einrichtung einer Stiftung zur Förderung der Gleichstellung verständigt und erleichtern damit strukturelle Gleichstellungspolitik.

Selbstverständlich systemrelevant

Frauen arbeiten gerade jetzt in der Krise viel und sind unabkömmlich, wie bspw. in Pflegeeinrichtungen, Supermärkten und zu Hause als Ersatzlehrerinnen. Im systemrelevanten Gesundheits- und Sozialwesen arbeiten bundesweit 4,2 Millionen Frauen und 1,3 Millionen Männer (2018 Stat .Bundesamt). 76 Prozent der Mitarbeitenden in Krankenhäusern, 93 Prozent in Kindergärten und Vorschulen sowie 73 Prozent der Mitarbeitenden im Lebensmitteleinzelhandel sind weiblich (2019 Stat. Bundesamt).

Der Wert der unbezahlten und bezahlten Arbeit ist als systemrelevant sichtbar geworden und wird gefeiert. Die Krise hat jedoch auch gezeigt, dass sich arbeitsweltliche und familiäre Schieflagen verschärft haben. In der Pandemie verschärft sich die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern: Frauen reduzieren häufiger ihre Arbeitszeit, ihr Anteil an der Sorgearbeit nimmt noch weiter zu. Um die Gleichberechtigung der Geschlechter tatsächlich voranzutreiben, braucht es fundierte Forschung, Kenntnisse und gesellschaftsübergreifende Strategien und politische Wirksam- und Wachsamkeit. Dabei nimmt die Schlüsselrolle das Zusammenspiel von Arbeit, also von Erwerbs- und Sorge-Arbeit, ein.

Roll Back verhindern

Die Corona-Krise zeigt deutlich, dass politische Maßnahmen zum Umgang mit dem Virus die Lebenswirklichkeiten von Frauen und Mädchen vernachlässigen und auf längst überholt geglaubte Geschlechterrollen setzen. Deshalb braucht es dringender denn je eine Einrichtung, die gleichstellungspolitische Erfolge sichert, weiterentwickelt und so mithilft, einen Roll Back zu verhindern. Das wäre ein klares politisches Signal, Rückschritte in Sachen Gleichstellung nicht zu akzeptieren, sondern den Gleichstellungsauftrag aus dem Grundgesetz jetzt umso mehr umzusetzen. Die Gleichstellungsstiftung muss deshalb noch in diesem Jahr gegründet, in den Folgejahren aufgebaut und vor allem angemessen ausgestattet werden, um die Erfolge in der Gleichstellung zu schützen und weiterzuentwickeln.

(Titelbild: Polina Zimmerman/ pexels.com)

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