Künstliche Intelligenz – Tagung mit dem Industriemeisterverband

BEILNGRIES. Die diesjährige kda-Industriemeistertagung befasste sich mit dem Thema “Künstliche Intelligenz – Fortschritt oder Konkurrenz für uns Menschen?” Ein kurzer Film zeigt die wichtigsten Statements unserer Expertinnen und Experten.

Gestern Sciencefiction, heute Realität

Sind Roboter die klügeren Köpfe? Diese Frage beschäftigte Mitglieder des bayerischen Industriemeisterverbandes bei der diesjährigen kda-Industriemeistertagung in Beilngries. War Künstliche Intelligenz (KI) einst noch eher im Bereich der Sciencefiction beheimatet, hält sie heute massiv Einzug in unsere berufliche und private Realität. KI steckt in unseren Smartphones und Sprachassistenten, sie gewinnt in der Automobilität an Bedeutung und in der Medizin. Nicht zuletzt prägt sie bereits viele Arbeitsprozesse in bayerischen Industrieunternehmen.

KI – Bereicherung oder Risiko?

Was kann KI wirklich leisten? Wird sie unser Leben einfacher, schöner und sicherer machen? Oder doch nur menschliche Intelligenz verdrängen, Arbeitsplätze gefährden und unübersehbare technische Risiken mit sich bringen? Die Referierenden aus Forschung und Praxis kamen zu differenzierten Einschätzungen.

Arbeitsbelastungen abbauen

Dr. Lars Larsen, Robotik-Experte aus Augsburg, erforscht insbesondere die Möglichkeiten, physisch belastende Tätigkeiten in Produktionsprozessen von smarten Roboter erledigen zu lassen, um die Arbeitsbedingungen der Menschen zu verbessern. Aus seiner Sicht würde die menschliche Arbeitskraft dadurch noch längst nicht ersetzt, denn: „Die Kognition des Menschen ist aktuell einfach unschlagbar.“

Dem Menschen Freiheiten verschaffen

Prof. Dr. Götz Winterfeldt, Medieninformatiker vom Deggendorf Institute of Technology (DIT), sieht große Chancen in der KI. „Wenn wir unangenehme Arbeiten von einem Automaten machen lassen können, gewinnen wir große Freiheit, anders zu denken und zu leben.“ Risiken durch KI streitet er allerdings nicht ab: „Wenn ein Messer nicht zum Schneiden benutzt wird, dann ist es eine Gefahr.“ Dies beträfe allerdings jegliche Technik. Winterfeldt befasst sich als Forscher vor allem mit dem Interaktionsdesign zwischen Mensch und Maschine. Zwei humanoide Roboter, Nao und Pepper, brachte er zur Veranschaulichung nach Beilngries mit und ließ die 50 Teilnehmenden, in der Mehrzahl Mitglieder des bayerischen Industriemeisterverbandes (IMV Bayern), mit ihnen interagieren.

Weiterbildung und innerliche Veränderung sind gefragt

Wie aber sieht es konkret mit der Verdrängung von Arbeitsplätzen in der bayerischen Industrie aus? Mitveranstalter und Referent Bernhard Fürst bestätigte diese Gefahr, betont aber die Möglichkeiten der Beschäftigten in der Industrie, insbesondere der betrieblichen Führungskräfte und Industriemeister, ihr zu begegnen. „Wenn wir uns anpassen, weiterbilden und auch innerlich, persönlich verändern, dann ist es kein Problem, in dieser Arbeitswelt einen Platz zu finden“, sagte der 1. Vorsitzende des IMV Bayern.

Was Roboter nicht haben: Moral, Bewusstsein und Empathie

Eine Erkenntnis der Tagung war, dass es viele Eigenschaften gibt, die dem Menschen ureigen sind und durch Algorithmen nicht ersetzt werden können: zum Beispiel Kreativität, Gewissen, Empathie, Fantasie. Darüber verfügen Roboter nicht, egal wie schlau und menschenähnlich sie schon wirken mögen. „Maschinen führen Befehle aus, sie haben aber kein Bewusstsein“ argumentierte die Digitalethikerin Susanne Kuhnert von der Hochschule der Medien in Stuttgart. Maschinen hätten deshalb auch keine Moral, so Kuhnert, zumindest: „bis jetzt nicht.“

Der Segensroboter fällt durch

Die Tagung versuchte selbst ein Experiment, indem die traditionelle Sonntagsandacht dieses Mal nicht von einem Pfarrer oder einer Pfarrerin, sondern vom dem so genannten Segensroboter „Bless-U2“ gehalten wurde. Die Teilnehmenden waren sich daraufhin relativ einig, dass spätestens in der Seelsorge Maschinen an ihre Grenzen gelangen. Bei der nächsten kda-Industriemeistertagung wird wieder eine echte Theologin bzw. ein echter Theologe dabei sein.

Titelbild: Die Teilnehmer*innen der Tagung hatten Spaß in der Kommunikation mit den anwesenden Robotern. (Foto: kda Bayern)

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