Thesen zur Digitalisierung der Pflege

HANNOVER/ NÜRNBERG. Der Bundesausschuss Arbeit + Technik des Verbands Kirche-Wirtschaft-Arbeitswelt hat bereits 2017 sechs Thesen zur Zukunft der Arbeitswelt bei zunehmender Digitalisierung aufgestellt und unter dem Titel „Arbeitswelt 4.0“  veröffentlicht. Mit Hilfe von Fachgesprächen und Betriebsrecherchen hat der Ausschuss diese Thesen nun für den Pflegebereich konkretisiert.

Vielfältige Belastungen im Pflegealltag

Der Pflegebereich ist gekennzeichnet durch körperlich, emotional und psychisch anstrengende Tätigkeiten und er ist belastet durch den zunehmenden Arbeitskräftemangel und Zeitdruck. Laut DGB Index Gute Arbeit geben insgesamt fast die Hälfte (42 Prozent) aller befragten Altenpflegekräfte an, aufgrund des Arbeitspensums oft oder sehr häufig Abstriche bei der Qualität ihrer Arbeit machen zu müssen. Ein weiterer Aspekt ist, dass es unter den derzeitigen Arbeitsanforderungen für zunehmend mehr Pflegekräfte nicht mehr möglich ist, eine Vollzeitstelle auszu-üben. Mit der Folge der geringeren Rentenanwartschaften für die Betroffenen einerseits und andererseits einer weiteren Verschärfung des Arbeitskräftemangels.

Warnung vor alten Fehlern und Ermutigung zu neuen Denkweisen

Die Digitalisierung ist zwar in den Bereichen der häuslichen, ambulanten und stationären Pflege angekommen. Allerdings haben Softwarelösungen, Assistenzsysteme, Telecare und Robotik eine sehr unterschiedliche Relevanz und Verbreitung. Nina Golf, wissenschaftliche Referentin beim kda Bayern versucht gemeinsam mit den anderen Autor*innen eine Antwort auf die Fragen zu geben: Inwieweit können durch Digitalisierung und den Einsatz  künstlicher Intelligenz die Arbeitsbedingungen in der Pflege verbessert werden? Und mit welchen Risiken und Nebenwirkungen muss gerechnet werden?
Dabei wird nicht nur eine entsprechende Schulung der Mitarbeitenden notwendig sein. Auch dürfen IT-lastige Arbeiten und pflegerische Tätigkeiten nicht auseinanderdriften, beispielsweise in puncto Bezahlung oder Geschlechteraufteilung. Vielmehr bedarf es einer grundsätzlichen Diskussion darüber, was „gute Pflege“ ausmache. Auch das Zusammenwirken der unterschiedlichen Akteure und Organisationen müsse im Pflegebereich neu gedacht werden.

(Foto: Parentingupstream/ pixabay.com)

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