Best Practice im Home Office

NÜRNBERG. Seit dem 27. Januar gilt die neue „SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung“, nach der Arbeitgeber ihren Mitarbeitenden Home Office ermöglichen müssen, wenn keine betrieblichen Gründe dagegen stehen. Die Arbeitsgruppe „Mobiles Arbeiten“ der Initiative familienbewusste Personalpolitik in der Metropolregion Nürnberg bietet für dieses Thema Austausch und Best Practice für Unternehmen und öffentliche Einrichtungen in der Region an. Der kda Bayern ist seit über zehn Jahren in der Initiative vernetzt und aktiv.

Home Office zunehmend gefragt

Beim regionalen Arbeitgeber Adidas arbeiten „bereits nahezu alle Mitarbeiter mobil von Zuhause“. In der Zentrale sind das aktuell über 95 Prozent, so der Sportartikel-Hersteller gegenüber Tagesschau.de. Auch bei Siemens liegt die Bürobelegungsquote weltweit bei lediglich fünf bis 15 Prozent, meldet die Nachrichten-App. Aber auch zum Beispiel bei DATEV, der Stadt Nürnberg, Schwan Stabilo, der Bundesagentur für Arbeit, der GFK oder der Nürnberger Versicherung wird Home Office praktiziert und nach guten Praxis-Lösungen gesucht. Dabei spielen rechtliche Aspekte, Regelungen zur Arbeitszeit, Datenschutz, Dienstvereinbarungen oder die Ausstattung mit Mobiliar und EDV-Geräten eine wichtige Rolle.

Flexible Arbeitsformen

In den meisten Einrichtungen und Firmen gab es auch vor Corona schon Betriebsvereinbarungen zu Telearbeit oder mobilem Arbeiten. Diese müssen aber jetzt der aktuellen Situation angepasst und im Hinblick auf die Zukunft gestaltet werden: Denn es ist absehbar, dass mehr Beschäftigte auch nach der Pandemie zumindest teilweise zuhause arbeiten wollen oder können. „Die einen wollen ab und zu zuhause arbeiten, andere regelmäßig. Wie lässt sich das in einer Betriebsvereinbarung für die unterschiedlichen Fälle rechtssicher regeln?“, beschreibt eine Personalerin die Herausforderungen. Die Stadt Nürnberg versucht den vielfältigen Bedürfnissen ihrer Mitarbeitenden unter der Überschrift „Flexible Arbeitsformen“ gerecht zu werden. In einer Dienstvereinbarung sollen sowohl klassische Telearbeit als auch mobiles Arbeiten einen verlässlichen Rahmen finden.

Verzweifelten Eltern helfen

Auf Probleme der Mitarbeitenden im Home Office gehen die Unternehmen zum Beispiel mit einer psychischen Gefährdungsbeurteilung ein. In einem Fall haben hier die meisten Befragten angegeben, dass sie vor allem darunter leiden, keinen ergonomischen Stuhl zuhause zu haben. Nun wird zwischen Personalabteilung und Betriebsrat über einen Zuschuss für Büromöbel verhandelt. Aber auch Home-Schooling kann die Mitarbeitenden belasten. „Da schellt öfter das Telefon mit verzweifelten Müttern und Vätern“, so ein Personalverantwortlicher. Denn wie schafft man das: Mit Kindern lernen, Arbeitszeiten verschieben und sich trotzdem an Arbeitszeit-Regelungen halten? Da sind immer wieder Entgegenkommen vom Arbeitgeber und interne Absprachen mit Kolleg*innen gefragt.

Entlastender Service kommt gut an

Einige Firmen und Behörden unterstützen insbesondere Mitarbeitende mit Kindern mit verschiedenen Service Leistungen. So wurden etwa die neuen Regeln zum Kinderkrankengeld kommuniziert und darüber hinaus die Möglichkeit eröffnet, weitere freie Tage aus dem Arbeitszeitkonto zu entnehmen. Zu bestimmten Zeiten hat in einem Fall die Betriebskantine die Familien von Mitarbeitenden mit Essen beliefert. „Das war für alle eine riesen Entlastung und kam super an“, berichtet eine Personalerin.
Doris Reinecke, die das Austausch-Treffen mit organisiert, findet es positiv, dass sich Arbeitgeber mit der Realität auseinander setzen, in der Eltern heute arbeiten. „Oft sind beide Eltern berufstätig im Home Office und selten gibt es zuhause zwei Arbeitszimmer, bei denen man einfach die Türe zu machen kann. Eltern können sich ihrer Erziehungsaufgabe bei jetzt geschlossenen Schulen und KITAs nicht entziehen“ so die Geschäftsführerin des Nürnberger Bündnisses für Familien.

(Foto: Stephan Kelle/ pixabay.com)

 

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