Betriebsbesuch bei der KFZ-Innung München

MÜNCHEN. Was bedeutet die Transformation der Automobilindustrie in Richtung Elektromobilität eigentlich für das KFZ-Handwerk? Unter diesem Fokus stand der Betriebsbesuch der Pfarrkonferenz des Prodekanats München-Nord mit Dekan Felix Reuter bei der KFZ-Innung München-Oberbayern Ende Juni. Auskunft darüber gaben Klaus Epple, Leiter des Berufsbildungszentrums der Innung, und Christian Nowotny, Leiter der Schulungswerkstatt für Elektromobilität in Garching, in deren Räumen man sich traf. Organisiert hatten den Besuch Pfarrer Peter Lysy, stellvertretender Leiter des kda Bayern, und Diakon Roland Hacker, Referent für Kirche und Handwerk.

Ein anspruchsvolles Handwerk

Schon in den letzten Jahrzehnten hat sich das KFZ-Handwerk  durch den Ausbau der Elektronik im Fahrzeug und die zunehmende Digitalisierung stark verändert. „Den klassischen Tüftler gibt es nicht mehr“, so Nowotny. Stattdessen gäben viele Automobilmarken bei der Reparatur Standardfehler und Standardlösungen vor, die der KFZ-Mechatroniker Schritt für Schritt abarbeitet. Zugleich sind die Anforderungen an Auszubildende stark angestiegen. So kommen im KFZ-Bereich viele handwerkliche Gewerke zusammen. Kompetenzen werden etwa in der Motor- und Elektrotechnik, der Heiztechnik, der Lack- und der Blechbearbeitung benötigt. Auch Stoffe müssen be- und verarbeitet werden können.

Dennoch zählt die anspruchsvolle Qualifikation zum KFZ-Mechatroniker immer noch zu den beliebtesten Ausbildungsgängen, auch wenn selbst hier bereits der Fachkräftemangel zu spüren ist. „Manche Ausbilder sind froh, wenn sie überhaupt Leute bekommen. Viele Meister nehmen junge Leute gleich nach dem Probearbeiten unter Vertrag.“, berichtet Epple.

Pioniere in Sachen Elektromobilität

Die Ausbildungswerkstatt in Garching zählt zu den Pionieren in Sachen Elektromobilität. Bereits im Jahr 2012 beteiligte sich Nowotny am Projekt „Schaufenster Elektromobilität“ der Bundesregierung. „Als wir damals mit Elektromobilen am Starnberger See unterwegs waren und an verschiedenen Orten Halt machten, interessierte sich kaum jemand für diese Autos“, erzählt der Ausbildungsleiter. Das hat sich natürlich inzwischen geändert.

Dennoch gibt es weiterhin viele offene Fragen, was wohl auch die eher schleppende Entwicklung erklärt. So seien Elektroautos immer noch vergleichsweise teuer und nach wenigen Jahren bereits technisch überholt. Auch bei der Ladeinfrastruktur gibt es noch große Herausforderungen. „Wenn in einer Mehrfamiliengarage in einer Wohnsiedlung 20 Autos gleichzeitig laden, fällt die Spannung so weit ab, dass die Autos dann den Ladevorgang unterbrechen“, erläutert Nowotny.

Die Zukunft bleibt technologieoffen

Auch für die KFZ-Werkstätten ergeben sich ganz neue Fragestellungen. So müssen defekte E-Autos aus Vorsorge vor einem Kabelbrand auf dem Werkstattgelände ein paar Tage separat abgestellt werden. Diesen Platz haben viele Werkstätten nicht. Inwiefern sich die Wartung und Betreuung von E-Autos rechnet, ist noch offen, da diese noch immer ein sehr kleines Marktsegment ausmachen. Klar ist zum einen, dass Elektromobile vergleichsweise wenige Komponenten brauchen, zum anderen, dass andere Teile als bei Verbrennern verschleißen.

Von Vorteil ist, dass auch kleine Werkstätten relativ kostengünstig in den Service von E-Autos einsteigen können. So kostet ein wichtiges Messgerät zur Analyse lediglich ca. 800 €, im Vergleich zu dem vielen Werkzeug, das Werkstätten schon heute vorhalten müssen und das oft kaum gebraucht wird, ein Schnäppchen.

Auf die Frage aus dem Pfarrkapitel, wo in zehn Jahren die Automobilbranche und damit auch das KFZ-Handwerk stehen wird, antworten die beiden Gastgeber: „Wir werden nicht nur E-Autos haben, sondern Automobile, die mit anderen, neuen Kraftstoffarten fahren. Insbesondere der Wasserstoffantrieb wird kommen.“ So wird dem KFZ-Handwerk ganz sicher nicht die Arbeit ausgehen.

Peter Lysy, stellvertretender Leiter kda Bayern

Foto: kda Bayern

 

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