Was wurde aus den Versprechungen nach der Pleite von Lehman Brothers? – Teil 1

NÜRNBERG. Die Pleite von Lehman Brothers jährt sich am 15. September 2018 zum zehnten Mal. Ein Anlass, sich genauer mit dem Thema zu befassen: Was waren die Versprechen, was wurde in Sachen Bankenregulierung unternommen und was steht noch aus? In unserer achtteiligen Serie finden Sie hier in den kommenden Tagen alle wichtigen Informationen zur Regulierungen der Finanzmärkten nach der Pleite von Lehman Brothers.

Die Versprechungen vor 10 Jahren

Mit der Pleite von Lehmann Brothers am 15. September 2008 eskalierte die Finanzkrise. Die anschließenden Versprechen der Regierungschefs weltweit waren groß. Die G20 ließen 2009 verlautbaren, dass kein Markt, kein Finanzprodukt und kein Akteur zukünftig unreguliert bleiben sollen. Es sollten die Finanzaufsicht reformiert, Banken höhere Eigenkapitalanforderungen erfüllen, systemrelevante Banken abwickelbar, Hedgefonds überwacht, Verbriefungen eingeschränkt, Derivatemärkte reguliert, der Umgang mit Ratingagenturen geregelt und neue Anforderungen für Managervergütungen erlassen werden. 10 Jahre sind eine lange Zeit. Grund genug, einmal genauer hinzusehen. Der Einstieg dieser Serie wirft einen Blick auf die Ursachen. Danach werden in mehreren Folgen die Regulierungen der Finanzmärkte in den letzten 10 Jahren aufgezeigt und eingeordnet. Hieran schließt sich ein Überblick an, was in und nach der Krise diskutiert, aber (bisher nicht) umgesetzt wurde. Den Abschluss der Serie bildet ein Ausblick und liefert weiterführende und interessante Links zum Thema.

Ursachen der Krise

Als Ursache der Krise werden meist die Schuldenblase auf dem US-Immobilienmarkt, die undurchsichtige Verbriefungen dieser Schulden, sogenannte asset-backed securities (ABS), sowie die Spekulation mit denselben und Derivate auf diese Schulden angesehen. Es gibt aber auch noch weiter zurückreichende Ursachen. Vor der Krise wurden seit etwa 1990 die Finanzmärkte immer weiter dereguliert und globalisiert. Alleine in Deutschland gab es hierzu dutzende Gesetze. Sie machten solche Produkte und Verflechtungen der Kapitalmärkte überhaupt erst möglich.

Schließlich gibt es noch eine tiefgründigere Ursache. Sie liegt in der Summe der Finanzmittel, welche nach Anlagemöglichkeiten sucht. Mit jeder Renditenzahlung steigt diese an. Hierbei handelt es sich um ein exponentielles Wachstum. Kurz: Immer mehr Geld sucht nach Anlagemöglichkeiten. Hinzu kommen die Zuflüsse aus der Realwirtschaft, welche das Problem nur weiter verschlimmern. Es ist aber ein Marktgesetzt, dass bei gleichbleibender Nachfrage nach Geld und steigendem Geldangebot, die Renditen fallen und die Preise von Finanzmarktpapieren steigen. Es herrscht also so etwas wie Inflation an den Finanzmärkten. Zugleich werden immer neue Bereiche gesucht, in denen das Geld angelegt werden kann. So sind Privatisierungen von Staatseigentum sehr willkommen. Aber auch der Markteinstieg mit neuen Produkten wird leicht möglich, wie es damals mit den ABS der Fall war. Gerade die letzte Ursache ist eine systemimmanente. Dies verdeutlicht, wie wichtig gut regulierte Finanzmärkte sind.

Die Teile der Serie:

  1. Versprechungen in und nach der Krise sowie Ursachen der Krise
  2. Bankenunion
  3. Eigenkapitalregulierung von Banken
  4. Makroprudenziellen Überwachung Anlegerschutz
  5. Regulierungen der Verbriefungen und Ratingagenturen
  6. Regulierungen der Derivatemärkte und Schattenbanken
  7. fehlenden beziehungsweise ausstehenden Regulierungen
  8. Abschluss der Reihe mit einem Ausblick

(Titelbild: “Where vision gets built.” So lautete der Slogan von Lehmann Brothers kurz vor der Krise 2008 am Times Square.

Bildrechte: David_Shankbone_CC_BY-SA_3.0)

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